Wie du den Schreibstil findest, mit dem deine Business-Texte nach dir klingen

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Eine selbstständige Fotografin beschrieb es einmal so: Sie will die Texte für ihre Website selbst schreiben. Sie sollen aber nicht gestelzt klingen, sondern locker und leicht. Ihre Persönlichkeit widerspiegeln, ihr Wesen und ihre Werte mittransportieren.

Tatsächlich kennen das die meisten Freiberufler*innen, Selbstständigen und Solopreneur*innen, die ihre Texte-Business selbst schreiben: Website, Blog oder Newsletter sollen möglichst die eigene Art und Person repräsentieren. Zu einem selbst passen. Wir wollen uns damit identifizieren können.

Aber warum ist es eigentlich wichtig, eine Sprache und einen Stil zu finden, der uns zeigt und zu uns passt? 


Warum dein Schreibstil dein Business-Booster ist

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Als Freiberufler*innen, Selbstständige und Solopreneur*innen können wir unseren persönlichen Stil für unseren Markenaufbau und unser Marketing nutzen.

Denn Texte wie Blog, Newsletter oder Fachartikel sind das, was Menschen von uns zu lesen bekommen, bevor sie uns überhaupt kennen. Auf diese Weise „begegnen“ sie uns zum ersten Mal. Wenn diese Texte unsere Persönlichkeit widerspiegeln, dann haben wir allein damit schon etwas gewonnen – denn die zu uns passenden Kund*innen, unsere Wunschkunden, fühlen sich davon angesprochen und bleiben womöglich „dran“: lesen weitere Blogtexte, besuchen vielleicht ein Webinar oder vereinbaren ein Kennenlerngespräch.

Wir können also mit guten, uns widerspiegelnden Texten unsere Community aufbauen. Mit Menschen, die wir sympathisch finden und mit denen wir gern zusammenarbeiten wollen.

Im Marketing-Kontext wird hier oft vom „Tone of Voice“ gesprochen: Unser individueller Tone of Voice, unser persönlicher Schreibstil, macht uns und unser Business in der Vielzahl von Anbieter*innen und Content unterscheidbar – und ist deswegen so wichtig.


Aber was ist überhaupt ein „eigener Schreibstil“ oder eine eigene „Schreibstimme“?

Wie beim Sprechen …

Es ist ähnlich wie beim Sprechen: Wenn du mit deinen Freunden, deinen Eltern, deinen Kindern sprichst, dann tust du das in einer ganz bestimmte Art und Weise. Du benutzt bestimmte Wörter, hast einen dir eigenen Satzbau und Sprachklang.

Daher können andere in der Regel deine Art zu sprechen beschreiben, z. B. eher enthusiastisch, eher ernst, eher lustig und komisch.

Allerdings spielt der Faktor „Gegenüber“ eine Rolle: Mit deinen Eltern sprichst du anders als mit deiner vierjährigen Tochter (vermute ich). Dein „Stil“ hängt also auch davon ab, mit wem du redest, wer dein Gegenüber ist.

Außerdem ist der Anlass und die Situation bedeutsam: Im Streit sprichst du mit deinem Partner oder deiner Partnerin anders als während eines romantischen Waldspaziergangs.

… so beim Schreiben

Beim Schreiben findet sich das wieder: In der Regel hast du eine ganz bestimmte Art zu schreiben, die andere wiedererkennen. Gleichzeitig kommt es aber auch darauf an, für wen und aus welchem Anlass du schreibst.

Zwei Texte für dieselben Kund*innen: Auf der Website schreibst du vermutlich anders als in der zweiten Mahnung wegen einer nichtbezahlten Rechnung. Dann wiederum würdest du Texte für eine Website mit der Zielgruppe Senior*innen anders verfassen als eine Website, die Jugendliche ansprechen soll.

Diese verschiedenen Ebenen können beim Schreiben verunsichern. Wie findest du also die richtige Ansprache, die richtigen Wörter, den richtigen Stil – und das eben in deiner ganz eigenen Schreibstimme?

Die folgenden drei Schritte sollen dir dabei helfen.

Zunächst überhaupt ein Gespür für deine Schreibstimme zu bekommen. Dann mit dieser zu experimentieren und sie – für verschiedene Anlässe und Leser*innen – variantenreicher werden zu lassen. Und schließlich deine Business-Texte in deinem individuellen Schreibstil zu verfassen.


Schritt 1: So entwickelst du ein Gespür für deine Schreibstimme

Als Erstes ist es wichtig, überhaupt ein Gespür für deine Schreibstimme zu entwickeln. Unsere Schriftsprache ist sehr stark geprägt von Floskeln und Phrasen, vor allem in der alltäglichen Kommunikation wie E-Mails. Und auch von Normen und Regeln, die wir schon in der Schule gelernt haben („So kann man das doch nicht schreiben“).

Um ein Gespür für den eigenen Schreibstil zu entwickeln, versuche, dich von den erlernten Normen zu befreien und ganz frei und unzensiert (von dem*der inneren Kritiker*in) zu schreiben.

Versuche es mit diesen Tipps:

1. Tipp: Freewriting schreiben …

1. Stelle dir einen Wecker auf eine für dich gute Zeit, z. B. 15 Minuten.

2. Schreibe alles auf, was dir gerade durch den Kopf geht, auch Ärger, Ängste, die Einkaufsliste … Der Text ist nur für dich, du kannst also alles rauslassen.

3. Widerstehe dabei der Versuchung, Wörter und Satzzeichen zu korrigieren. Schreibe weiter, zügig und möglichst ohne den Schreibfluss zu unterbrechen.

4. Wenn der Wecker klingelt, höre auf mit dem Schreiben.

Bei manchen erfordert das freie Drauflosschreiben ein wenig Übung, aber vielen macht es irgendwann Spaß.

Der Vorteil: Du benutzt spontan und intuitiv deine Wörter und Ausdrücke, die dir in den Kopf kommen. Du korrigierst den Text nicht, du zensierst nicht – du schreibst genau in deiner Sprache, deiner Schreibstimme.

… und anschließend analysieren

Nimm dir dann deinen Freewriting-Text und analysiere ihn. Schau dir an, wie du geschrieben hast:

  • Welche Wörter benutzt du?
  • Welche Satzstruktur wählst du?
  • Welche Satzzeichen verwendest du?

Kommen bestimmte Wörter immer wieder vor? Welche sind das? Schreibst du in kurzen, klaren Sätzen – oder in ewig langen Schachtelsätzen? Sind deine Satzzeichen eher sparsam und du wirkst sachlich-ernst. Oder bist du vielleicht total (!) emotional und enthusiastisch!!!???

Wenn du einige Texte im Freewriting schreibst und sie dir genauer anguckst, bekommst du ein Gespür dafür, wie deine Schreibstimme klingt.

2. Tipp: Dein Sprechen beobachten oder aufnehmen

Eine weitere Möglichkeit ist, dein Sprechen einmal genau zu beobachten – am besten mit einer Aufnahme. Also entweder einfach mal allein in ein Diktiergerät sprechen, dabei am besten von einem dir bekannten und gemochten Thema erzählen. Oder ein Gespräch z. B. mit einer Freundin oder einem Freund aufnehmen.

Danach das Gleiche: Höre dir deine Aufnahme an und beobachte bzw. halte auch schriftlich fest, wie du Dinge beschreibst: die Wörter, die Satzlänge, die Tonlage. Hier kannst du auch notieren, wie die Stimmung ist: Redest du eher nüchtern-ernst oder lustig? Begeistert oder besorgt?

3. Tipp: Andere fragen

Du kannst auch andere, etwa Freund*innen, fragen, wie sie deinen Stil beim Reden und Schreiben charakterisieren würden. Auch das ist ebenfalls aufschlussreich.

Befrage zudem dich selbst: Wie würdest du in 3–5 Worten deinen Sprech- und Schreibstil beschreiben? Begeistert, frech, trocken, witzig, besorgt?

Mein Tipp: Versuche hier, deinen Stil nicht zu bewerten („Ich klinge immer total unprofessionell“). Nimm vielmehr eine neutrale Forscher*innen-Rolle ein, mit der du den Dingen auf den Grund gehen willst.

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Schritt 2: Verschiedene Stile ausprobieren

Nach Schritt 1 hast du eine Idee davon, wie du schreibst und was typisch für dich ist. Im zweiten Schritt geht es jetzt darum, mit dieser Schreibstimme ein bisschen zu spielen und sie variantenreicher werden zu lassen. Und schließlich den für dich passenden Stil für verschiedene Zielgruppen und Anlässe zu finden.

Denn wie gesagt: Der Stil hängt immer auch ab von Leser*in und Anlass.

Tipp: Ein Gefühl für die Varianten entwickeln

1. Schreibe zu einem Thema aus deinem Business-Kontext einen kurzen Text für

  • ein akademisches Magazin,
  • eine E-Mail an deine*n beste*n Freund*in und
  • einen Newsletter für deine Kund*innen.

2. Visualisiere hier bewusst deine*n Zielleser*in.

3. Nachdem du die Texte geschrieben hast: Schaue dir wieder an, was du jeweils anders gemacht hast und was die Texte unterscheidet bzw. charakterisiert (Wörter, Absätze, Satzbau, Satzzeichen).

4. Versuche dann, deine Schreibstimme wiederzufinden, etwa durch den Vergleich mit den Texten, die du in „Schritt 1: So entwickelst du ein Gespür für deine Schreibstimme“ geschrieben hast.

Kannst du deinen Stil noch in diesen drei neuen Texten erkennen oder hast du hier ganz anders geschrieben? Was ist anders? Bist du zufrieden oder würdest du gern anders für die jeweiligen Zielgruppen schreiben? Wie wäre es deiner Ansicht nach passender?


Schritt 3: So schreibst du in deinem Stil

Die Kunst beim Schreiben ist, zum einen am Anfang „befreit“ zu bleiben und mit der eigenen Schreibstimme ins Schreiben zu kommen. Sich also nicht zu sehr von inneren und äußeren Ansprüchen hemmen und beeinflussen zu lassen. Und zum anderen aber auch die Leser*innen immer mitzudenken.

Daher macht es Sinn (so mache ich selbst es auch), erst einmal für sich selbst alles oder Teile runterschreiben – frei, unzensiert, im Flow und mit Spaß. Und erst dann, in einem zweiten Schritt, die Anforderungen an den Text zu erfüllen – überarbeiten, feilen, den Text in eine attraktive Form bringen.

Je erfahrener du in einer Textsorte wirst, z. B. im Schreiben von Blogartikeln, umso mehr wirst du diese beiden Schritte miteinander verbinden können: Weil du schon intuitiv bestimmte Faktoren (Ansprache, Aufbau) bei deinen allerersten Texte berücksichtigst.

Diese Tipps helfen dir dabei, möglichst „frei“ in deinem Stil zu schreiben.

1. Tipp: Hilfstexte

Hilfstexte sind Texte, die dir helfen, deinen „richtigen“ Text zu schreiben. Du schreibst sie vor oder neben deinem Schreibprojekt. Das können erst mal nur Gedanken sein oder schon ein Freewriting (s. oben) zu deinem Thema.

Die Vorteile:

  • Du kannst Teile davon verwenden, Ideen mitnehmen in deinen „richtigen“ Text – und hast schon erste Texte geschrieben, also schon angefangen (ja genau, die Angst vorm weißen Blatt …).
  • Außerdem hast du schon erste Texte in deinem dir eigenen Duktus geschrieben – sie enthalten deine Schreibstimme. Und was dir davon gefällt, übernimmst du in den „richtigen“ Text.

Bei mir gehört zu diesen Hilfstexten z. B. immer ein Cluster mit ersten Ideen und Gedanken zu meinem Thema, oft auch ein Freewriting. Hilfstexte können aber auch Tagebuch- oder Journal-Einträge sein – also alles, was du erst einmal nur für dich schreibst.

Es geht hier also weniger um die Leser*innen als vielmehr darum, deine ersten Ideen und Gedanken festzuhalten und auszuformulieren. Und das tust du in der Regel in den dir ganz eigenen Worten, eben deiner Schreibstimme.

2. Tipp: Im Flow die Rohversion schreiben

Das ist mein Lieblingstipp, weil ich glaube, dass dieser den größten Unterschied macht: Schreibe deinen ersten Textentwurf, deine Rohversion, ohne viel Nachdenken und Struktur auf. Alle deine Gedanken, die du zu dem Thema hast – schnell, im Flow, ohne Zensur und Überarbeitung.

Dabei kannst du im Grunde wie beim Freewriting vorgehen – nur das du dieses Mal konkret über dein Thema schreibst.

Ich selbst mache das vor allem bei Themen, zu denen ich nicht viel recherchieren muss. Erst in einem zweiten Schritt schlage ich den einen oder anderen Punkt noch mal nach. So habe ich meine Gedanken in meinen Worten schon aufgeschrieben – und benutze nicht die Wörter, die in der Literatur und meinen Quellen verwendet werden.

3. Tipp: Wer bist du und dein Unternehmen?

Es geht beim Schreiben im Business nicht nur darum, wie du am besten die Erwartungen deiner Leser*innen erfüllen kannst. Sondern es geht auch darum, was du zeigen willst. Wie du klingen und erscheinen möchtest.

Sehr wahrscheinlich klingeln jetzt die Positionierungs- und Marketingstrategie-Glocken bei dir. Und richtig! Erst wenn du hier Klarheit hast, weißt du, wie du selbst dich zeigen willst – und was davon sich in deinen Texten wiederfinden soll. Denn je nachdem, wie du hier tickst und dich wohlfühlst, schlägt sich das in deinem – ganz eigenen – Schreibstil nieder.

Stelle dir daher diese Fragen:

  • Was sind deine Werte: Was ist dir wichtig in deinem Business und in der Zusammenarbeit mit deinen Kund*innen?
  • Wer bist du: Was kannst du gut? Was kannst du nicht ausstehen? Was macht dich als Mensch und Unternehmer*in aus? Wofür stehst du? Was ist deine „Botschaft“?
  • Wen willst du als Kund*in erreichen? Was bietest du an? Wo ist dein Hauptfokus?
  • Wie willst du klingen und erscheinen: eher nahbar und persönlich? Oder legst du Wert auf eine professionelle Distanz?
  • Wie willst du deine Kunden ansprechen? Gefällt dir besser das „Sie“ oder das „Du“?

Mit deinen persönlichen Antworten auf diese Fragen bekommst du mehr Sicherheit beim Schreiben in deiner Schreibstimme.

Extra-Tipp:

Das Schreiben im eigenen Stil ist das eine – und das muss man erst mal schaffen. Also einen herzlichen Glückwunsch, wenn es dir gelungen ist!

Aber gleichzeitig wollen die Leser*innen auf ihre Kosten kommen, sie wollen überzeugt werden. Ansonsten zögern sie nicht lange und suchen sich einen spannenderen Text.

Daher vergiss nicht, deine Texte in einem letzten Schritt noch bestmöglich attraktiv für deine Leser*innen zu gestalten. Überlege dir:

  • Zu welcher Textsorte gehört mein Text und welche Merkmale muss er dafür erfüllen?
  • Wer sind meine Leser*innen und was wollen sie von meinem Text?
  • Wie kann ich optimal verständlich und leserfreundlich formulieren?


Fazit

Lass deine Schreibstimme zum Business-Booster werden! Ich hoffe, diese Impulse helfen dir auf deinem Weg dorthin. Und wie immer: eins nach dem anderen.

Zuerst geht es darum, überhaupt ein Gespür für den eigenen Schreibstil, deine Schreibstimme, zu entwickeln.

Erst dann kannst du damit experimentieren und ein Gefühl für ihre Varianten gewinnen. Und zum Schluss schreibst du mithilfe von Hilfstexten und Rohversion-Flow deine Texte genau in dem Schreibstil, mit dem deine Business-Texte nach dir klingen.

Auf dass du den Schreibstil findest, der dich zeigt und mit dem du dich wohlfühlst – und dass genau die Kund*innen zu dir kommen, die du dir wünschst!  🙂

Hast du deinen Schreibstil, deine Schreibstimme gefunden? Wie schreibst du Texte, die nach dir klingen? Schreib mir gern im Kommentar.

Headerbild: unsplash.comAlice Dietrich 

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