Sachbuch, Fachbuch oder Ratgeber? Finde in 3 Schritten dein Genre

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Die Auswahl des Genres gehört mit zu den wichtigsten Entscheidungen im Rahmen deines Buchkonzepts und Verlagsexposés. Bevor du dein Buch schreibst, solltest du dir also sicher sein, ob du ein Sachbuch, Fachbuch oder einen Ratgeber verfassen willst.

Aber was unterscheidet Sachbuch, Fachbuch und Ratgeber voneinander? Und warum spielt das Genre eigentlich eine so wichtige Rolle?

Diese Fragen beantworte ich im folgenden Blogbeitrag. Ich zeige dir, was die Unterschiede sind, wie du ein passendes Genre für deine Buchidee auswählst und warum ein Genre-Mix meistens nicht so gut ankommt.

1. Sachbuch, Fachbuch, Ratgeber – die Unterschiede

Oft sind mit „Sachbuch“ auch das Fachbuch und der Ratgeber mitgemeint. Auch ich mache das manchmal vereinfachend so (z. B. auf meiner Website). Streng genommen sind die drei Genres aber sehr unterschiedlich: Sie unterscheiden sich durch die Art der Wissensvermittlung und den Nutzen, den das Buch bietet. Dadurch ergeben sich auch Unterschiede in der Aufmachung, das heißt bei Titel und Cover, sowie im Schreibstil und Umfang.

Ein Sachbuch schreibst du für Leser*innen, die sich für dein Thema interessieren, aber keine Fachkenntnisse dazu besitzen – also für interessierte Laien. Meistens soll ein Sachbuch nicht nur informieren, sondern auch unterhalten. (Fach-)Wissen wird also nicht nur verständlich, sondern auch erfrischend und kurzweilig aufbereitet.

Ein Fachbuch schreibst du für ein Fachpublikum – von Expert*in zu Expert*in. Das Fachbuch ist wissensorientiert und in Fachsprache geschrieben. Meistens bezieht es sich auf den beruflichen oder akademischen Kontext.

Einen Ratgeber schreibst du für ein Publikum, das von deinem Thema unmittelbar betroffen ist. Hier bist du der Profi, der anhand konkreter Tipps und Anleitungen zeigt, wie man ein bestimmtes Ziel erreicht oder ein Problem löst. Häufig geht es in Ratgebern um private Themen, etwa Hilfestellung bei bestimmten Krankheiten, Ernährung, Garten, Erziehung. Es gibt mittlerweile aber auch viele Business-Ratgeber.

Beispiele aus meinem Bücherregal

Genre Sachbuch: „Darm mit Charme

Beim Titel „Darm mit Charme“ ist schon der Titel charmant und auf dem Cover ist eine der Zeichnungen zu sehen, die im Innenteil den Text illustrieren. Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben und trotzdem inhaltlich fundiert (soweit ich das beurteilen kann). Hier spricht eine Expertin – Medizinstudentin Gulia Enders – zu mir als interessierte Leserin. Obwohl ich keine Vorkenntnisse zum Thema Darm habe, werde ich locker-flockig durch das Buch geleitet und lerne viel.

Genre Sachbuch - Buchcover Darm mit Charme


Genre Ratgeber: „Texten für Trainer, Berater, Coachs“ 

Im Ratgeber „Texten für Trainer, Berater, Coachs“ von Günther Frosch finde ich als Coach Antworten und Anleitungen zu der Frage: Wie formuliere ich meine Angebote auf Website, Flyer etc. möglichst ansprechend? Der Autor nutzt hier ganz typische Elemente eines Ratgebers: Checklisten, Fallbeispiele, Zusammenfassungen. Ich werde außerdem eingeladen, eigene kleine Texte auf dafür freigelassene Seiten zu schreiben, also direkt die Tipps des Autors umzusetzen. 

Auch der Untertitel klingt Ratgeber-typisch: „So bringen Sie Ihr Angebot auf den Punkt und formulieren überzeugende Texte“. Andere bezeichnende Überschriften bei Ratgebern sind etwa: „So gelingt Ihnen XY“ oder „Wie Sie XY in Z Schritten erreichen“. Es geht also immer um den Nutzen für die Leser*innen.

Genre Ratgeber - Buchcover „Texten für Trainer, Berater, Coachs


Genre Fachbuch: „Schreiben

Im Gegensatz zum Sachbuch und Ratgeber wirkt das Fachbuch „Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung“ von Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald schlicht und nüchtern – typisch für Fachbücher. 

Im Innenteil finde ich viel Text, die Seiten sind dichter bedruckt als bei den anderen beiden Titeln. Der Fließtext ist nur durch einige Grafiken aufgelockert und enthält – anders als bei den meisten Sachbüchern und Ratgebern – einen umfangreichen Fußnotenapparat und ein langes Literaturverzeichnis. Man merkt: Hier geht es nicht um Unterhaltung und Mitmachen, sondern um die Vermittlung und Vertiefung von (Fach-)Wissen.

Genre Fachbuch – Buchcover Schreiben


2. So findest du in 3 Schritten dein Genre

Wenn es darum geht, das Genre für die eigene Buchidee auszuwählen, haben sich in meinen Coachings vor allem 3 Schritte bewährt:

  1. das Ziel definieren, das mit dem Buch erreicht werden soll,
  2. das Marktumfeld analysieren, in dem das Thema platziert wird,
  3. sich die eigenen Vorlieben als Schreibende*r bewusst machen.


Schritt 1: Deine Ziele

Beim Erstellen deines Buchkonzepts ist es ganz wichtig, genau zu definieren, welches bzw. welche Ziele du mit deinem Buch verfolgst. Tatsächlich kannst du verschiedene mit deinem Buch verfolgen:

  • Neue Kund*innen gewinnen
  • Dich in deiner Fachcommunity etablieren
  • Mehr Sichtbarkeit für dein Business oder dein Thema erreichen
  • Eine öffentliche Debatte auslösen zu einem Thema, das bisher noch zu wenig beachtet wurde
  • Endlich Autor*in sein und dir damit einen Lebenstraum erfüllen


Wenn dein Ziel nicht klar ist, kann es leicht passieren, dass du ein Buch schreibst, mit dem deine eigenen Erwartungen nicht erfüllt werden. Und das dich nicht in den von dir gewünschten Punkten weiterbringt.

Wenn du etwa neue Kund*innen gewinnen willst, solltest du ein Genre wählen, dass deine potenziellen Kund*innen kaufen. Das ist in der Regel ein Sachbuch oder Ratgeber – mit dem sich Laien informieren oder eine Anleitung erhalten –, aber kein Fachbuch.

Willst du dich hingegen in deiner wissenschaftlichen Fachcommunity etablieren, macht es wenig Sinn, einen Ratgeber zu schreiben für Leser*innen, die sich als Betroffene zu deinem Thema informieren wollen.

Überlege also genau: Welches Ziel willst du erreichen? Wer soll dein Buch warum lesen?

Schritt 2: Marktumfeld

Interessant ist auch das Marktumfeld, in dem du dein Thema platzieren möchtest. Hier ist es wichtig, zu schauen, zu welchem Genre deine Konkurrenztitel gehören und ob es etwa eine noch nicht besetzte Nische gibt. Vielleicht gibt es zu deinem Thema mehrere Sach- und Fachbücher, aber noch keinen Ratgeber? Dann könnte das ggf. spannend sein und womöglich dein Alleinstellungsmerkmal (Blogbeitrag USP) werden. Voraussetzung ist aber immer, dass dein Publikum hinsichtlich deines Themas auch Bedarf an dem Genre hat.

Schritt 3: Deine Vorlieben

Schließlich musst du dich selbst auch mit dem Genre wohlfühlen. Ich hatte zum Beispiel einen Kunden, bei dem wir im Coaching zuerst in Richtung Ratgeber gedacht haben. Mehrere Gründe sprachen dafür. Er merke aber im Laufe der Zeit, dass das einfach nicht das war, was er wollte. Es passte nicht, es war einfach nicht seins, einen Ratgeber zu schreiben. Überlege also auch, ob du Lust auf das Genre hast. 

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3. Als Erstautor*in besser kein Genre-Mix

Warum solltest du als Erstautor*in besser keinen Genre-Mix schreiben? Die Antwort auf diese Frage zeigt gleichzeitig, warum das Genre grundsätzlich so wichtig ist (und warum ich über dieses Thema in meinem Blog schreibe :-)). Zwei Aspekte sind hier relevant: a) zum einen die Struktur des Buchhandels, b) zum anderen die Erwartungen der Leser*innen.


a) Der Buchhandel bzw. der Buchverkauf läuft über das Genre. Wenn du in eine Buchhandlung gehst oder online nach Büchern suchst, bemerkst du: Die Abteilungen und Regale sind nach Genres strukturiert. Hier steht das Regal mit den Krimis, dort das mit den Kochbüchern. Und da drüben findest du die Liebesromane.

Damit ist das Genre für die Verkäufer*innen – die Buchhändler*innen – ganz wichtig. Durch das Genre lassen sich Bücher einordnen und verkaufen. Das bedeutet auch: Wenn das Buch nicht zu einem der Genres passt, haben die Buchhändler*innen Schwierigkeiten, das Buch korrekt im Regal einzusortieren. Im schlimmsten Fall wird das Buch dadurch nicht gefunden und damit auch nicht gekauft. Deswegen empfiehlt sich eine klare Zuordnung zu einem Genre vor allem für Autor*innen, die erstmalig ein Buch veröffentlichen. Bekannte Autor*innen werden hingegen auch oft durch ihren Namen gefunden – und können sich einen Genre-Mix (also die Verbindung verschiedener Genres) „leisten“.

Übrigens: Die Genres haben sich nicht einzelne Buchhändler*innen ausgedacht, sondern diese sind vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels als sogenannte Warengruppe für die gesamte Buchbranche vorgegeben.

b) Aber auch für Leser*innen ist das Genre wichtig. Denn Leser*innen haben bestimmte Leseerwartungen. Überlege einmal: Wenn du im Buchhandel bei Strick-Ratgebern stöberst und einen Titel aussuchst und kaufst – dann erwartest du, dass dir das Buch genaue Anleitungen und Hilfestellungen dazu bietet, wie du das Stricken selbst lernen oder verbessern kannst. Findest du in dem Buch entgegen deiner Erwartungen nur theoretische Abhandlungen über das Stricken – womöglich mit Fremdwörtern, die du nicht verstehst –, dann wirst du das Buch wahrscheinlich schnell zur Seite legen.

Noch mal zurück zur Frage, warum ein Genre-Mix nicht sinnvoll ist. Hier spielen auch die Verlage eine Rolle: Diese wollen natürlich, dass dein Buch im Buchhandel gefunden und dadurch verkauft wird. Und dafür muss der Titel es überhaupt erst einmal in die Buchhandlungen schaffen. Dahin kommt es wiederum nur, wenn der oder die Buchhändler*in es einordnen und einen passenden Platz dafür finden kann. Somit legen also schon die Verlage Wert darauf, dass das Genre sauber definiert ist.

4. Fazit

Ich hoffe, diese Impulse unterstützen dich dabei, das für dich und deine Buchidee passende Genre auszuwählen. Frage dich zuerst immer, welches Ziel du mit dem Buch verfolgst. Beobachte auch genau deine Konkurrenztitel und dein Marktumfeld. Und am Ende spüre nach, ob du wirklich Lust hast, in dem entsprechenden Genre zu schreiben.

Welches Genre soll dein Buch werden? Schreib mir im Kommentar.

Bild „Darm mit Charme“: Ullstein Buchverlage GmbH
Bild „Texten für Trainer, Berater, Coachs“: GABAL Verlag GmbH
Bild „Schreiben“: Verlag Barbara Budrich GmbH, UTB


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