Was Schreibcoaching von Lektorat und Texten-Lassen unterscheidet – und wann es das Richtige für dich ist

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Wer nach Unterstützung zu Texten und Schreiben sucht, kann leicht den Überblick verlieren.

Hier eine Texterin, die für ihre Kund*innen Texte schreibt. Da ein freier Lektor, der Texte korrigiert und optimiert. Und dann ist da die Ghostwriterin, die gleich ein komplettes Buch für andere schreibt. Außerdem die ausgebildete Schreibberaterin, die spezialisiert eine ganz bestimmte Zielgruppe beim Schreiben coacht.

Wann passt welche*r Dienstleister*in am besten für dich? 

Das erfährst du in diesen Beitrag.


1. Wann Schreibcoaching das Richtige für dich ist

Ein Schreibcoaching ist das Richtige für dich, wenn dir wichtig ist, dass du deine(n) Text(e) selbst schreibst – und kein anderer. Und wenn du dich als Schreibende*r weiterentwickeln möchtest, also dauerhaft leichter schreiben und dein Repertoire an Schreibstrategien erweitern willst.

Schreibcoaching passt auch zu dir, wenn du (eine Zeit lang) jemanden an deiner Seite wissen willst, mit dem du reflektieren, Probleme besprechen, neue Schreibstrategien ausprobieren und auch Erfolge teilen kannst. Jemand, der dir professionellen Input gibt und dich mit Wissen und Erfahrung unterstützt.

Dabei kann es schon um die erste Idee gehen – der Schreibcoach unterstützt dich also von Anfang an. Und natürlich bei allem, was danach kommt: die Recherche, das Strukturieren des Materials, das Schreiben der ersten Texte, das Überarbeiten.

Du merkst vielleicht schon: Der Text spielt natürlich eine Rolle – aber beim Schreibcoaching stehst du als Schreibende*r im Mittelpunkt, deine Fragen und Anliegen. Es geht darum, wie du dein Schreiben gestalten kannst, wie du möglichst produktiv und mit Freude schreibst, wie du Schreibprobleme und -hemmungen überwindest und dein ganz persönliches Schreibziel erreichst.

Im Schreibcoaching geht es also nicht in erster Linie um das Ergebnis, den fertigen Text, sondern um den Prozess, deinen Weg zum (Schreib-)Ziel.

Das Schreibcoaching umfasst zwei Bereiche:

  • Zum einen die konkrete Hilfestellung beim Schreiben, d. h., wie du deine Schreibstrategien optimieren kannst. Hier kann es z. B. darum gehen, dass du leichter ins Schreiben kommst, mehr Struktur findest oder lernst, wie du deine eigenen Texte effizienter überarbeitest – mit konkreten, neuen Schreibmethoden.
  • Zum anderen geht es um Faktoren, die über das Schreiben hinausgehen – und trotzdem, oder gerade deswegen, enormen Einfluss auf dein Schreiben haben. Darum, welches Ziel du erreichen willst und warum (deine „Vision“), welche Meilensteine, also Etappenziele, du formulieren kannst und wann du sie erreichen möchtest. Auch die Glaubenssätze, die dich (bisher) daran hindern, dein Ziel zu erreichen, und die Stärken und Ressourcen, die du vielleicht noch nicht ganz ausschöpfst, können Thema sein.

Haltung im Schreibcoaching

Im Schreibcoaching bist du Expert*in für dein Schreiben. Du weißt, was funktioniert und was nicht, du kennst deine Schreibbiografie und dein jetziges Schreiben am besten. Das Coaching findet also auf Augenhöhe statt. Der Coach ist kein*e Expert*in, der*die alles besser weiß, sondern Begleiter*in, der*die dir Angebote macht, wie du dein Schreiben besser gestalten kannst.

Ablauf

Der Ablauf eines Schreibcoachings sieht bei mir (und ähnlich auch bei vielen anderen Schreibcoaches) in der Regel so aus:

  • Wir treffen uns in regelmäßigen Abständen zur 1:1-Session für 1 Stunde. Ich biete beispielsweise in meinem speziell entwickelten Rundum-Coaching-Paket „Hoch hinaus!“ insgesamt 12 Sessions an, die du in innerhalb 1 Jahres abrufen kannst.
  • In jeder Session steht das Thema im Mittelpunkt, das dich gerade herausfordert. Am Anfang erzählst du von diesem Thema, dann legen wir einen oder mehrere Punkte fest, die wir uns in der Session genauer ansehen. Das können die Zielgruppe deines Buchs sein, dein erstes Kapitel oder aktuelle Schreibblockaden.
  • Dann finden wir gemeinsam heraus, wo es eigentlich hakt und wozu du Rückmeldung oder Input benötigst. Ich gebe dann Lösungsvorschläge, Feedback oder eine kleine Schreibübung. Dazu bekommst du Checklisten und Arbeitsblätter.
  • Am Ende der Session reflektieren wir gemeinsam die vergangene Stunde. Du hältst deine Erkenntnisse fest und definierst die nächsten Schritte, damit du selbstständig weiterarbeiten kannst.

Natürlich gibt es auch Alternativen zu diesem „klassischen“ Schreibcoaching-Format. Beispielsweise biete ich das Schreibcoaching auch als 4-stündigen 1:1-Power-Workshop an – der Ablauf ist aber im Grunde derselbe: Wir sammeln deine Fragen und Themen, schauen auf die tieferliegenden Faktoren und finden dazu Antworten und Lösungen. Am Schluss reflektieren wir und du gehst deine eigenen Schritte selbstständig weiter.

Oder mein Online-Gruppencoaching: Hier arbeite ich in kleiner Gruppe und mit digitalem Selbstlernmaterial, dazu gibt es regelmäßige Live-Sessions mit allen. Das Schöne hieran ist, dass jede*r auch viel Feedback von den anderen Teilnehmer*innen erhält.

Beispiele

Paul möchte ein Sachbuch schreiben. Er hat schon mehrere Anläufe genommen, auch schon einige kurze Texte geschrieben. Sein hübsch gestalteter Zeitplan hängt schon seit Wochen über seinem Schreibtisch, sogar ein Schreibseminar hat er schon besucht (ein Geschenk von seiner Frau) – aber es will nicht klappen. Er findet einfach nicht die Disziplin und Ruhe, sich hinzusetzen und das Projekt ernsthaft anzugehen. Als er sich schließlich Unterstützung von einem Schreibcoach holt, findet er langsam heraus, was ihn hemmt und wie er leichter ins Schreiben kommt – und sein Projekt endlich umsetzt.

Oder Maja: Sie ist Freiberuflerin und erlebt schon seit Jahren Frust und Stress, wenn sie ihre Marketing-Texte wie Blogbeitrag oder Newsletter schreiben will. Sie schiebt es ewig vor sich her. Und der Tag, an dem sie sich endlich dazu durchringt anzufangen, ist eigentlich gegessen: Sie zweifelt an sich selbst, erinnert sich daran, dass sie noch nie gut im Schreiben war, ärgert sich, wie viel Zeit sie fürs Schreiben dieser Texte verplempert – und ist am Ende auch noch super unzufrieden mit ihren „laienhaften“ Texten. Sie will das ändern und sucht sich einen Schreibcoach – mit dem sie ihre Herangehensweise und bisherigen Schreibstrategien hinterfragt und für sich Methoden findet, wie das Ganze viel einfacher geht.

Hinweis: Kein geschützter Beruf

Schreibcoach ist kein geschützter Beruf. Daher wird es von Menschen mit den unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen angeboten. Es gibt Schreibcoaching-Angebote von freien Lektor*innen, Journalist*innen, Autor*innen, Texter*innen, (ehemaligen) Buchhändler*innen, Literaturagent*innen, Pädagog*innen, Verlagslektor*innen und Business Coaches.

Vor diesem Hintergrund können die Schwerpunkte des Schreibcoachings unterschiedlich sein. Die beruflichen Hintergründe der Anbieter*innen beeinflussen eben auch, wie das Schreibcoaching konzeptioniert ist.

Mein Tipp: Schau dir neben dem Punkt, ob die Chemie stimmt, auch an, ob und welche (schreibdidaktische) Ausbildung ein Schreibcoach hat. Meine Erfahrung ist, dass ausgebildete Schreibdidaktiker*innen ein fundierteres Wissen bzgl. der Erkenntnisse aus der Schreibwissenschaft mitbringen und über einen größeren didaktischen und methodischen Werkzeugkoffer verfügen. Diese beiden Kompetenzen machen gutes Schreibcoaching aus.

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2. Wann ein Lektorat für dich das Richtige ist

Ein Lektorat ist das Richtige für dich, wenn du deinen Text fertig geschrieben hast und diesen optimieren lassen möchtest. Es geht allein um das Ergebnis, um den finalen Text. Darum, dass dieser vor seiner Veröffentlichung von einer anderen Person kritisch geprüft und noch verbessert wird.  

Ablauf

  • Wenn von deiner Seite aus dein Text fertig ist, schickst du diesen an den*die Lektor*in.
  • Je nach Arbeitsweise des*der Lektor*in gibt es vor der Bearbeitung noch ein Vorgespräch: Hier klärt ihr, welche Punkte geprüft werden sollen, wer die Zielgruppe ist, was der Kontext der Veröffentlichung ist.
  • Ist alles abgestimmt, bearbeitet der*die Lektor*in deinen Text – meist in der Korrekturen-nachverfolgen-Funktion. Je nach Absprache mit dir greift er*sie in die Absatz- und Satzstruktur ein; sie bearbeitet den Stil, ändert die Wortwahl, die Satzzeichen.
  • Oft schließt sich daran ein Korrektorat an, in dessen Rahmen die rein formalen Fehler (Grammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung) in einem zweiten Durchgang korrigiert werden.
  • Am Ende erhältst du deinen korrigierten Text. Wenn der*die Lektor*in in der Korrekturen-nachverfolgen-Funktion gearbeitet hat, kannst du bei der Durchsicht seiner*ihrer Korrekturen jeweils selbst entscheiden, welche du annimmst bzw. umsetzt und welche nicht.

Haltung beim Lektorat

Beim Lektorat ist der*die Lektor*in in der Expertenposition, er*sie weiß, wann welches Satzzeichen obligatorisch oder optional ist, wie das Wort nach heutiger Rechtschreibung geschrieben wird. Er hat – früher zumindest, als noch ausschließlich auf Papier korrigiert wurde – wortwörtlich den Rotstift in der Hand. Trotzdem kannst am Ende du entscheiden, welche Korrekturen du übernehmen möchtest (Korrekturen-nachverfolgen-Funktion vorausgesetzt).

Beispiel

Maria ist freiberufliche Marketing-Expertin. Sie schreibt Magazin-, Website- und Social-Media-Texte für Stiftungen und NGOs. Wenn die Zeit knapp ist oder sie richtig in den Schreibflow kommt, dann verliert sie schon einmal ihren Blick für korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung. Ihren Kund*innen will sie aber keine fehlerhaften Texte abliefern. Da ist das Lektorat genau das Richtige: Sie lässt ihre selbstgeschriebenen Texte von einer freien Lektorin prüfen – uns schickt sie dann fehlerfrei an ihre Kundin.


3. Wann Texten-Lassen und Ghostwriting für dich das Richtige ist

Texten-Lassen ist das Richtige für dich, wenn es dir allein auf den Text ankommt und du das Schreiben vermeiden willst. Und wenn es okay für dich ist, einen Text unter deinem Namen zu veröffentlichen, den du nicht geschrieben hast.

Vor allem im Kontext Marketing und Unternehmenskommunikation werden viele Texte von externen Texter*innen geschrieben. Im Kontext Bücher spricht man von Ghostwriting. Die Urheber- und Veröffentlichungsrechte werden dabei von den Texter*innen oder Ghostwriter*innen an ihre Kund*innen abgegeben.

Ablauf 

  • In der Regel gibt es ein oder mehrere (Vor-)Gespräche. In diesen erzählst du von deinem Thema und was dir wichtig ist. Der*die Texter*in oder Ghostwriter*in hört genau zu, fragt nach, macht sich Notizen.
  • Dann schreibt er*sie für dich den Text.
  • Zwischendurch kann es immer wieder Abstimmungen geben, um sicherzustellen, dass der Text zu dir passt und er so ist, wie du ihn dir vorstellst.
  • Am Ende erhältst du deinen Text zur Durchsicht – ggf. stimmst du noch einzelne Punkte ab, die angepasst werden sollen.
  • Dann kannst du den Text unter deinem Namen veröffentlichen.

Haltung beim Texten-Lassen

Texter*innen oder Ghostwriter*innen sind in der Beobachten-und-Forschen-Position: Sie erkunden dein Thema und deine Beziehung dazu und entwickeln ein Gespür dafür, damit sie möglichst authentisch deinen Text schreiben können. Tatsächlich haben die meisten guten Texter*innen oder Ghostwriter*innen eine hohe Sensibilität für Menschen und deren Lebenswelten.

Beispiel

Karl hat eine gut laufende Coachingpraxis. Auf seiner Website führt er einen Blog, für den er aber immer weniger Zeit und Lust findet (wobei das von Anfang an eigentlich bereits schleppend lief …). Weil aber viele Kund*innen über seine Website auf ihn aufmerksam werden und er sich dort als Experte zeigen will, möchte er weiterhin dort Blogbeiträge veröffentlichen. Er sucht sich eine Texterin, die das Schreiben der Texte übernimmt. Karl schickt ihr das Material und weitere Infos per E-Mail, manchmal telefonieren sie noch kurz dazu. Dann schreibt die Texterin mithilfe des zugesandten Materials und ergänzender eigener Recherche die Beiträge, die Karl dann zum vereinbarten Zeitpunkt erhält.    

Fazit

Wenn es dir allein auf das Endergebnis, auf den Text, ankommt – dann sind Lektorat und Texten-Lassen eine Option. Ich persönlich finde das – bis auf den akademischen Kontext und andere Prüfsituationen – völlig legitim.

Allerdings verschenkst du beim Texten-Lassen eine Chance: Nämlich beim Schreiben etwas dazuzulernen und dich weiterzuentwickeln. Dir beim nächsten Schreibprojekt vielleicht mehr zuzutrauen. Entspannter und souveräner zu werden. Stolz auf deinen eigenen Text zu sein und auf das Durchhalten beim Schreiben. Auch schneller zu werden, effizienter zu schreiben.

All das kannst du mit Schreibcoaching erreichen – das kann eine tolle Erfahrung sein.

Was sind deine Erfahrungen mit Schreibcoaching, Lektorat oder Texten-Lassen? Hast du Fragen? Schreib mir gern ein Kommentar.

Headerbild: unsplash.com / Dan-Cristian Pădureț

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