Struktur oder Flow – was braucht dein Buch? Interview mit Autor Martin Baitinger

13. Oktober 2026 – Janina Lücke

Ein überzeugendes Buch beginnt mit einem klaren Konzept: Thema, Zielgruppe, Genre, Konkurrenztitel und Alleinstellungsmerkmal werden definiert. Meist gehört dazu auch das Inhaltsverzeichnis. Dieses Fundament gibt Klarheit und Sicherheit. 

Doch was passiert, wenn das Konzept steht und das Kapitel-Schreiben beginnt? Ist es besser, sich konsequent an Konzept und Struktur zu halten – oder darf Text auch einfach fließen?

Diese Frage hat Martin Baitinger beim Schreiben seines Buches beschäftigt. In meinem Expertenbuch STARter entwickelte er sein Buchkonzept und Inhaltsverzeichnis. Sein Manuskript schrieb er danach selbstständig ohne Begleitung, und zwar erfolgreich: Am 1. November erscheint sein Buch „Kein richtiger Alkoholiker“ bei Books on Demand.

Kein richtiger Alkoholiker

Im Interview erzählt Martin, wie er beim Buchschreiben das Spannungsfeld von Struktur und Flow erlebt hat.

Außerdem erfährst du:

  • Warum ihm das Buchkonzept als Fundament fürs Schreiben half
  • Warum das Loslassen beim ersten Entwurf für Martin entscheidend war 
  • Wie er seinen eigenen Schreibstil gefunden hat
  • In welchen Situationen ihm der analytische Blick hilft 
  • Warum es sich für ihn gelohnt hat, Feedback einzuholen


Video-Interview mit Martin Baitinger


Falls du gerade lieber lesen möchtest: Im Folgenden findest du eine gekürzte Zusammenfassung des Interviews. 🙂

Wer bist du und was für ein Buch hast du geschrieben?

Ich bin Martin Baitinger und bin 51 Jahre alt. Ich lebe mit meiner Partnerin und mit meinen drei Kindern in Berlin und arbeite als Manager in der Infrastrukturbranche. Viele Jahre lang war ich begeisterter Biertrinker, der den Rausch sehr genossen hat. Irgendwann habe ich dann festgestellt: Das wird ganz schön intensiv. Und ich habe mich gefragt: Wird es nicht doch zu einer psychischen Abhängigkeit? Diese Phase des Zweifelns und des Überlegens hat sehr, sehr lange gedauert – circa 10 Jahre.

2020 habe ich mich vom Alkohol abgewendet und bin in die komplette Abstinenz gegangen. Diese Geschichte wollte ich aufschreiben. Denn sie hat mich über viele Jahre nicht nur beunruhigt, sondern auch begeistert: Was steckt eigentlich alles dahinter? Und was macht man, wenn man sich für die Nüchternheit entscheidet, um ein glücklicher Mensch zu werden?

Was bedeutet „Dieses Buch ist das mutigste Geschenk Ihres Lebens“ auf dem Cover?

Ich habe im Buch ein Begleitwort geschrieben mit der Überschrift „Für den Schenkenden“. Diese Worte richtet der Schenkende an den Beschenkten. Und der Beschenkte kann man entweder selbst sein, weil man sich so ein Buch schenken möchte. Oder man gibt das Buch einem guten Freund, einem Partner, einem Verwandten, zu dem man eine liebevolle Beziehung pflegt und um den man sich eher sorgt, als ihn bevormunden möchte.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir als Menschen, als Paare, als Gesellschaft noch mehr Ehrlichkeit und noch mehr Austausch auf Augenhöhe mit klaren Botschaften vertragen. Wir können uns gegenseitig weiterentwickeln und zum Wachstum anregen, wenn wir auch schwierige Themen ansprechen, die möglicherweise zwischen uns stehen.

In diesem Sinne soll mein Buch kein Fingerzeig sein, sondern der Einstieg in einen Austausch. Und zwar in den Austausch im Tiefgangformat, wo nicht nur über das 08/15-Programm des Tages gesprochen wird, sondern über ehrliche Sorgen, die man sich macht. Und über das Wachstumspotential, das man im Menschen, aber auch in der Beziehung erkennen kann.

Mit meinem Buch habe ich übrigens ein Buch geschrieben, das ich mir selbst vor 10 Jahren gewünscht hätte. Ich war nämlich sehr ängstlich, weil ich dem Alkohol eine so große Rolle in meinem Leben beigemessen habe, dass ich Panik davor hatte, ihn irgendwann aufgeben zu müssen. Und dieses Gedankenkarussell hat mich gefesselt wie in einem Grenzzyklus, wo man nicht rauskommt. Viele der Sorgen waren absolut unberechtigt. Das habe ich allerdings erst später festgestellt, teilweise erst lange nach der Abstinenzentscheidung.

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Wie war dein Weg zum Buch – und welche Rolle haben dabei Struktur und Buchkonzept gespielt?

Mit dem Eintritt ins Berufsleben habe ich festgestellt, dass man sehr viel schreiben musste, um zu bleiben. Der Spruch hat tatsächlich Wirksamkeit und Relevanz: „Wer schreibt, der bleibt.“ Ich habe also viel geschrieben, vor allem vertragliche Texte, Kommunikation mit den Bauherren, mit Partnern. Dabei habe ich gemerkt: Es macht mir richtig Spaß, möglichst präzise zu formulieren. Und Informationen so zu transportieren, dass eine Geschichte daraus wird, die man gerne liest. Das war der Start des Ganzen – völlig unabhängig vom Thema.
 
Parallel zu meiner Entwicklung und auch zum Thema Alkoholabhängigkeit habe ich dann immer mal wieder Gedanken und Situationen aufgeschrieben. Die Buchidee war dadurch relativ früh identifiziert, wenn auch zunächst mit einem ganz anderen Ziel. Und ab diesem Zeitpunkt habe ich begonnen, kontinuierlich zu schreiben. Mit dem späteren Eintritt in die Abstinenz habe ich dann auch in einer Community – einer Nüchternheitsbewegung – meine Geschichten erzählt.

Bis dahin war aber alles noch diffus, ohne ein Buchkonzept dahinter. Ich habe also eher Momente meines Lebens herausgepickt und beschrieben – wie eine Kurzgeschichtensammlung. Der Wunsch nach einem Buch war aber trotzdem immer da. Ich hatte nur wahnsinnig großen Respekt davor, wirklich selbst ein Buch mit einem roten Faden zu formulieren. Ich war immer der Dreier-, Vierer-Typ in Deutsch, deswegen wusste ich: Ganz so professionell bist du da womöglich nicht unterwegs.
 
Was mir gefehlt hat, war also eine Struktur. Als ich dann gegoogelt und deinen STARter-Kurs gefunden habe, dachte ich: Das könnte der fehlende Baustein sein. Um Dinge zu lernen, die ich noch brauche, mit denen ich besser werden kann und die meine Buchidee in eine runde Form gießen. Daher passte der STARter-Kurs für mich wie die Faust aufs Auge.
 
Die Erstellung eines Buchkonzeptes folgt ja klaren Regeln. Es gibt viele Dinge, auf die man achten muss, und du hast all diese sehr strukturiert gezeigt. Es war der andere Pol, den ich brauchte, um von meinem wilden Kurzgeschichtenstil hin zu der strukturellen Bearbeitung meiner Ideen für ein Buch zu kommen. Der STARter hat also das Ganze zusammengefasst, was hilfreich war.

Kleiner Exkurs: Ein Buchkonzept zu schreiben heißt, dir genau zu überlegen: Was ist das Thema und wie kannst du das Thema eingrenzen? Wer ist die Zielgruppe, warum ist dein Buch für diese Zielgruppe interessant und nützlich? Welche Bücher gibt es schon zu deinem Thema – was sind deine Konkurrenztitel? Was machst du anders – was ist also dein Alleinstellungsmerkmal? Auf dieser Basis erstellst du auch die Buchstruktur, die zum Buchkonzept dazugehört.

Mehr Details zum Buchkonzept findest du in meinem Blogbeitrag „Sachbuch: Konzept und Exposé – Unterschiede und Must-haves!“ Alle Infos zum Expertenbuch-STARter-Kurs findest du auf der STARter-Seite.

Wie bist du nach dem STARter in den Schreibflow gekommen?

Noch während des STARters habe ich weitergeschrieben und dabei gemerkt: Mein Schreibstil passt sich jetzt dieser strukturierten Form zu sehr an. Das hast du mir auch sehr klar und verständlich gespiegelt: Du sagtest, dass mein Schreibstil sehr holzig ist.

Aus deinem Feedback zum Schreibstil habe ich die Botschaft mitgenommen: „Martin, lass es raus. Struktur ist wichtig, aber das, was du sagen möchtest, hat eigentlich einen lockeren und witzigen Tonus. Also verkopf deinen Text nicht so, sondern lass es fließen, so wie du früher angefangen hast.“

Aus verschiedenen Gründen habe ich das Buch nach dem STARter-Kurs aber erst einmal ruhen lassen. Nach ein paar Monaten dachte ich aber: Wie lange willst du eigentlich noch warten? Die erste Buchidee war aus dem Jahr 2010, jetzt mach doch einfach mal! Daraufhin habe ich mich gerappelt und mich an die Feedback-Botschaft erinnert: Du schreibst es jetzt einfach. Dabei hältst du dich erst einmal nur ganz grob an das Buchkonzept, das du verfasst hast. Wichtiger ist, ins Schreiben zu kommen. Und das habe ich dann sehr intensiv begonnen. Ich war dann in einem Flow, mit dem ich viel produziert habe, bis ich irgendwann fertig war.

Hilfreich für diesen Prozess war aber eben, dass ich durch das Konzept und Inhaltsverzeichnis schon wusste, welche Themenbereiche ich erfassen möchte. So hatte ich eine Grundstruktur, mit der ich Themenblock für Themenblock abarbeiten konnte. Das hat diesen Flow ermöglicht, weil ich pro Themenkomplex relativ frei alles fließen lassen konnte, was ich im Kopf hatte.

Am Ende habe ich dann gemerkt: Ich brauche jetzt jemanden, der noch mal den roten Faden, die Zeitformen und den Lesefluss prüft. Das hat dann eine Agentur übernommen. Dieser Check war wichtig, um sicherzustellen: Habe ich alles drin? Erzähle ich gleichzeitig auch nicht zu viel? Denn ich schreibe das Buch ja nicht nur für mich, sondern ich möchte, dass es gerne gelesen wird.

Impulstreffen

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Was willst du deinen Leser*innen mitgeben? 

Ich wusste immer: Ein Ratgeber zum Thema Alkohol ist schwierig. Und dann auch noch ein Buch, was man ggf. verschenkt an jemanden. Das ist ja eigentlich tabu – wie ein Deo oder wie eine Packung Kaugummis zu verschenken. Aber dann dachte ich mir: Warum ist es nicht möglich? Alkohol ist etwas, was Sorgen bereiten kann, was Beziehungen zerstören kann, was uns wahnsinnig fordert auf zwischenmenschlicher Ebene. Warum kann ich nicht etwas schreiben, was genau das beschreibt? Ich wollte dafür eine Balance und einen Stil finden, der nicht sagt „Macht es so oder so!“, sondern der eher fragend ist.

Deswegen lade ich mit diesem Buch und mit meiner Geschichte ein, sich selbst zu hinterfragen und ehrlich mit sich zu sein. Das ist aus meiner Sicht die größte Herausforderung im Leben – ehrlich zu sich selbst zu sein und zu analysieren: Was machen gerade meine Emotionen, meine Gefühle? Wo kommen die her? Wie bewerte ich bestimmte Dinge? Was bewegt mich wirklich, und was kann ich damit machen? Was lerne ich aus meinen eigenen Emotionen?

Im Buch sage ich nicht: „Guckt mal, wie cool ich bin – ich habe das alles geschafft und mir geht es jetzt pudelwohl“. Vielmehr drehe ich es um: Ich beschreibe, was ich falsch oder nicht gut gemacht habe, was dann aber auch gut funktioniert hat und vor allem, welche Aha-Effekte ich gewonnen habe. Dabei muss ich nicht auf den anderen schließen, sondern kann einfach fragen: In welchen Situationen hast du gemerkt, dass du nicht ehrlich zu dir warst? In welchen Situationen ist es dir schwergefallen, mit einem anderen sehr ehrlich zu sprechen?

Ich glaube, Denkimpulse sind ganz wichtig, um seinen eigenen Weg zu finden. Mich hat beispielsweise auch niemand gezwungen, mit dem Alkohol aufzuhören. Bei mir ist irgendwann der Impuls entstanden und daraus der Moment, in dem für mich der Schalter umgefallen ist. Damit bin ich in ein Abenteuer reingerutscht – und dieses Abenteuer hält bis heute an. Es ist die Abenteuerreise Nüchternheit, die mich immer wieder an jedem Tag an einen neuen Ort lenkt, wo ich mir heute, nach sechs Jahren, manchmal noch denke: „Guck mal, das hättest du vor zehn Jahren so nicht gemacht. Das finde ich einfach wahnsinnig spannend.“ Von diesem Abenteuer berichte ich in meinem Buch.

Lieber Martin, einen herzlichen Dank für das Interview!

Martin Baitinger

Martin Baitinger arbeitet als Manager im Bahninfrastruktursektor. Nach jahrelangem intensiven Alkoholkonsum entschied er 2020, keinen Alkohol mehr zu trinken. Von seinen Erfahrungen vor und nach dieser Entscheidung berichtet er in Podcasts, auf seinem Instagram-Profil – und in seinem Buch. Dabei versteht er sich als Inspirator: Er will andere ermutigen, authentisch zu bleiben und noch intensiver miteinander in den Austausch zu gehen. 

Mehr Infos zu Martin Baitinger und seinem Buch findest du auf seinem Instagram-Profil.

Martins Buch „Kein richtiger Alkoholiker“ ist ab dem 1.11.26 auf Books on Demand erhältlich.

Nächste Schritte

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So oder so: Ich begleite dich von der ersten Idee bis zum fertigen Buch. Gemeinsam entwickeln wir ein überzeugendes Buchkonzept und die für dich ideale Veröffentlichungsstrategie. Gerne begleite ich dich auch beim Schreiben deines Manuskripts und allen anderen Schritten auf deiner Buch-Reise.

Denn meine Mission ist: Expert*innen dabei zu unterstützen, mit Flow und Fahrplan ein hochwertiges Expertenbuch zu veröffentlichen – für mehr Expertenstatus, Impact, Wunschkund*innen und das erfüllende Gefühl, mit dem eigenen Buch dauerhaft Wissen und Erfahrungen weiterzugeben.


Wie gehst du mit Struktur und Flow beim Schreiben um? Was brauchst du mehr? Schreib mir im Kommentar.

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