Sachbuch planen: in 3 einfachen Schritten zur realistischen Zeitplanung

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Wahrscheinlich kennst du das: Du nimmst dir vor, an deinem Buch zu arbeiten, z. B. das erste Kapitel deines Sachbuchs zu schreiben. Aber dann kommt etwas dazwischen: ein toller Auftrag, ein wichtiger Anruf, dein Kind wird krank …

Um das ewige Aufschieben zu vermeiden und ein Buch fertigzuschreiben, auch wenn mal viel los ist, hilft es, sich am Anfang des Buchprojektes einen Zeit- und Arbeitsplan zu erstellen.

Gerade bei diesem komplexen Schreibprojekt profitierst du davon: Du hast deine Zwischenziele vor Augen und fühlst dich nicht erschlagen von dem riesigen Berg an Aufgaben. Das wiederum steigert deine Motivation: Du nimmst dein Projekt ernst und planst es fest in deinen Alltag ein – komme, was wolle.

Aber ein guter, das heißt flexibler, realistischer und vor allem umsetzbarer Plan will erst einmal erstellt werden. Wie das in 3 einfachen Schritten geht, erfährst du in diesem Beitrag.

1. Schritt: Deine Meilensteine formulieren

Meilensteine sind Eckpfeiler deiner Zeit- und Arbeitsplanung. Im Projektmanagement werden sie als besonders wichtige Ereignisse verstanden. Denn sie teilen ein Projekt in mehrere Teilstrecken mit konkreten Zwischenzielen – und man kann überprüfen, ob die Zwischenziele erreicht wurden.

Ein riesiger, erschlagender Berg voll Arbeit – z. B. „ein Sachbuch schreiben“ – wird durch Meilensteine zu überschaubaren Häppchen. Das hilft ungemein dabei, ein langfristiges Buchprojekt über mehrere Monate motiviert zu verfolgen – um dann auch ans Ziel zu kommen.

Ein weiterer Vorteil von Meilensteinen: Du weißt immer genau, wo du dich gerade im Arbeitsprozess befindest – und vor allem, was du schon geschafft hast. Das motiviert zusätzlich.

Um deine Meilensteine zu formulieren, suchst du dir für den Weg hin zu deinem Ziel konkrete Zwischenziele aus. Die markieren einen besonderen Punkt auf der Strecke. Die Meilensteine für ein Sachbuchprojekt lassen sich gut entlang der Phasen im Schreibprozess definieren.

Ich teile diesen Weg gerne in drei Phasen:

1. Vor dem Schreiben:

  • Konzept und ggf. Verlagsexposé erstellen
  • Ggf. Verlagssuche
  • Recherche
  • Recherchematerial sichten, auswerten
  • Gliederung entwerfen
  • Feedback einholen (Freund*innen, Kolleg*innen, Expert*innen)


2. Schreiben/ Überarbeiten:


3. Nach dem Schreiben:

  • Feedback einholen (Probeleser*innen, Kolleg*innen, Expert*innen)
  • Lektorat 
  • Feedback/Korrekturen aus dem Lektorat einarbeiten
  • Ggf. Bildersuche
  • Satz, Cover, Druck, Marketing
  • Ggf. Abstimmungen mit Verlag

Anhand dieser Punkte formulierst du deine individuellen Meilensteine.

Wichtig:
Vorher solltest du für dich unbedingt die Rahmenbedingungen klären, z. B. „Veröffentliche ich bei einem Verlag oder als Selfpublisher*in?“, „Benötige ich zum Text zusätzliches Material (Bilder, Grafiken, Checklisten u. ä.)?“. Denn diese Punkte beeinflussen erheblich den Verlauf deines Buchprojektes.

Beispiele für Meilensteine:

  • Buchkonzept und ggf. Verlagsexposé sind erstellt
  • Die Recherchearbeit für dein Buch ist abgeschlossen
  • Das Material ist gesichtet, strukturiert und den Themen/Abschnitten in deinem Buch zugeordnet
  • Die Gliederung steht
  • Die Rohfassung für deine ersten Kapitel ist fertig geschrieben
  • Du bist mit der Überarbeitung fertig
  • Du hast dir Feedback eingeholt von Probeleser*innen, Kolleg*innen, Expert*innen
  • Dein Manuskript ist fertig für das Lektorat
  • Dein Manuskript kann zum Verlag geschickt werden
  • Dein Manuskript ist fertig für den Druck


Hinweise zu Buchkonzept und Verlagsexposé

Ein Buchkonzept zu erstellen, ist immer wichtig, egal ob du als Selfpublisher*in oder bei einem Verlag veröffentlichst. In deinem Konzept ist festgehalten, was das Thema deines Buches ist, wer zur Zielgruppe gehört und was der Nutzen für diese Zielgruppe ist. 

Du legst ebenfalls fest, in welchem Genre du schreiben willst (Sachbuch, Fachbuch oder Ratgeber). Außerdem recherchierst du ganz genau, welche Bücher es zu deinem Thema schon gibt – und was das Alleinstellungsmerkmal deines Buches ist. Was macht dein Buch unter den bisherigen Titeln einzigartig?

Dein Verlagsexposé enthält ebenfalls genau diese Punkte. Du ergänzt hier aber noch einen ansprechenden Arbeitstitel, die Gliederung, ein Probekapitel deines geplanten Buchs – und ggf. besondere Fakten, die der Verlag wünscht. 

Somit können deine Exposés für die verschiedenen Verlage jeweils unterschiedlich aussehen. Recherchiere also unbedingt (z. B. auf den Verlagswebsites), welche Anforderungen die Verlage an ein eingesandtes Exposé haben.

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Du fängst mit 3 einfachen Schritten an, dein Sachbuch zu schreiben


2. Schritt: Deine Zeitressourcen festlegen

Du hast dir einen Überblick darüber verschafft, was die einzelnen Schritte deines Sachbuchprojekts sind und welche Meilensteine du dementsprechend setzen willst – super! Dann schau dir jetzt an, wie deine Zeitressourcen aussehen.

Stelle dir für das Aufspüren und Festsetzen deiner Zeitressourcen folgende Fragen:  

  • Habe ich in den nächsten Wochen/Monaten die Zeit, regelmäßig an meinem Buch zu arbeiten?
  • An wie vielen Tagen pro Woche kann ich an meinem Sachbuch schreiben?
  • Welche Tage sind das? Habe ich feste Schreibtage – wenn ja, welche?
  • Was ist die Mindestanzahl an Tagen, die ich für mein Buch nutzen will und kann?
  • Wie viele Stunden kann ich an diesen Tagen schreiben?
  • Zu welchen Uhrzeiten schreibe ich am besten?
  • Kann ich mir kleine Schreib-Retreats organisieren, z. B. ein Wochenende im Monat oder eine Woche pro Quartal komplett fürs Schreiben einplanen?
  • Wie viel Zeit muss ich in den nächsten Monaten für Urlaub einplanen, in dem ich nicht schreiben kann?
  • Was kann ich an Pufferzeit einplanen?

Schreibe deine Antworten auf! Und fange auch an, zu organisieren: Familie und Freund*innen Bescheid sagen, einen ruhigen Schreib-Arbeitsplatz finden, feste Schreibzeiten im Kalender notieren …

3. Schritt: Deinen Zeit- und Arbeitsplan erstellen

Du kennst jetzt deine Meilensteine und deine Zeitressourcen. Jetzt überschlägst du, bis wann du welche Meilensteine erreichen willst.

Wichtig dabei ist, vorher den Gesamtumfang deines Buches zumindest grob festzulegen und auch möglichst dein Schreibtempo zu beobachten:

  • Wie viele Seiten soll dein Buch haben?
  • Wie lange benötigst du, um wie viele Seiten zu schreiben?
  • Wie viel Zeit musst du einplanen fürs Einstimmen und für Pausen?

Wenn du noch nicht einschätzen kannst, wie lange du für das Schreiben brauchst, dann tracke die Zeit ganz genau bei den ersten zwei Kapiteln deines Buches. Danach kannst du dann gut überschlagen bzw. ausrechnen, wie lange du für die folgenden Kapitel benötigst.

Ein Beispiel: Zeit für einzelne Arbeitsschritte und Meilensteine kalkulieren

Wie du den Zeitplan für dein Buch erstellen kannst, zeige ich dir an diesem Beispiel.

A. Meilensteine

Für meine Beispielrechnung nehme ich ein Buchprojekt, das 200 Seiten umfasst.

Meine Meilensteine sind:

  • Buchkonzept ist erstellt
  • optional Verlagsexposé ist erstellt und Verlagssuche abgeschlossen
  • Recherche ist beendet
  • Material ist ausgewertet und eine Gliederung entworfen
  • Rohfassung ist geschrieben
  • Urlaub, Text wurde liegen gelassen
  • Rohfassung ist überarbeitet
  • Feedback und Lektorat sowie die Bildersuche beendet

Für diese Meilensteine schätze ich nun die Zeit ein, die ich benötige. Im besten Fall kann ich auf Erfahrungswerte zurückgreifen.

Wähle für deine Kalkulation Zeitspannen, die dir machbar und realistisch erscheinen (vor dem Hintergrund deiner Zeitressourcen, die du oben festgelegt hast). Tracke dann deine Zeit und passe deinen Plan ggf. nach einiger Zeit entsprechend an.

Wenn bei dir zusätzliche Arbeiten wie Satz, Cover, Druck, Marketing (bei Selfpublishing) oder noch ganz andere Dinge anfallen, ergänze diese in deiner Zeitplanung.

Zwischen dem Schreiben der Rohfassung und der Überarbeitung habe ich einen Monat Urlaub eingeplant, in dem ich nicht an meinem Buch arbeiten kann. Tatsächlich empfiehlt es sich, den Text nach dem Schreiben einige Zeit liegen zu lassen – und dann mit frischem Blick an die Überarbeitung zu gehen.

B. Für das Kalkulieren der Schreibtage insgesamt hilft diese Formel:

Buchseiten ÷ Seiten pro Tag = Benötigte Schreibtage gesamt 

Beispiel: 200 Buchseiten : 4 Seiten pro Tag = 50 Schreibtage

Voraussetzung ist hier, dass du immer gleich viele Stunden schreibst und auch in etwa die gleiche Menge an Text produzierst – also dein Schreibtempo kennst.

C. Um dann zu überschlagen, wie viel Zeit du insgesamt benötigst, rechnest du:

Benötigte Schreibtage gesamt ÷ dir verfügbare Tage = Anzahl der Wochen/Monate für die Manuskripterstellung

Beispiel: 50 Schreibtage ÷ 3 Wochentage = ca. 17 Wochen/4,25 Monate

D. Überarbeitung

Für die Überarbeitung planst du so viel Zeit ein, wie du fürs Schreiben deiner Rohversion gebraucht hast. Hier im Beispiel also ca. 17 Wochen/4,25 Monate.

E. Urlaub und Lektorat

Plane unbedingt auch Urlaubszeiten ein oder generell Zeiten, in denen du nicht schreiben kannst. Und denk daran, dass dein Text nach deiner Überarbeitung möglichst noch ins Lektorat gehen sollte, vor allem wenn du dein Buch als Selfpublisher*in veröffentlichst.

Für das Lektorat solltest du mindestens einen Monat einplanen, besser zwei. Bei einer Verlagsveröffentlichung kümmert sich ggf. der Verlag darum (das ist aber häufig auch nicht mehr der Fall, also vorher unbedingt abklären!).

So könnte dein Zeit- und Arbeitsplan in Tabellenform aussehen:

Beispiel für Sachbuch-Zeitplan

Ganz wichtig: Verstehe deinen Plan flexibel und passe ihn bei Änderungen an. Denn auch je nachdem, wie du schreibst – d. h. welcher Schreibtyp du bist und welche Schreibstrategien du anwendest – können sich die Schritte oben unterschiedlich gestalten.

Vielleicht bist du ein*e Planer*in, der*die erst gründlich recherchiert, sich dann eine Gliederung erstellt und schließlich präzise entlang dieser Gliederung den Text schreibt. Andere Schreibende, im Fachjargon „Strukturschaffer*innen“, erstellen ihre (finale) Gliederung hingegen erst während des Schreibens. Sie produzieren viel Text schon ganz früh im Schreibprozess, etwa bei Ideensuche oder Recherche – und müssen später aufwändiger überarbeiten.

So oder so: Mit dem Zeit- und Arbeitsplan kannst du dein Projekt super planen. Beobachte dich aber selbst – und passe entsprechend deinen Plan an.

4. Tipps, um deinen Plan durchzuziehen

Dein individueller Zeit- und Arbeitsplan ist erstellt? Super! Damit steigt die Chance, dass du über eine lange Zeit motiviert am Ball bleibst und dein Buchprojekt bis zum Ende durchziehst. Zusätzlich hilft es enorm, wenn du dich während des Schreibens fit fühlst, ausreichend Energie hast und zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist.

Im besten Fall etablierst du eine für dich förderliche Schreibroutine mit festen Zeiten und konkreten Abmachungen, Ritualen und Belohnungen.

Die folgenden Fragen können dir dabei helfen. Mehr Tipps zur Schreibroutine findest du übrigens auch in meinem Beitrag „Wie du deine perfekte Schreibroutine findest – und dein Buch fertig schreibst“.

Wo, wie, wann und unter welchen Bedingungen schreibst du am besten?

  • Wann schreibst du am besten? Morgens, abends, tagsüber? Wie kannst du deinen Biorhythmus für deine Schreibzeiten nutzen?
  • Gibt es etwas, das dir beim Einstimmen aufs Schreiben hilft? Vielleicht Musik, eine Tasse Tee, ein bestimmtes Gemälde?
  • An welchen Orten schreibst du am besten? An ruhigen oder belebten Orten? An fremden Orten oder bei dir zu Hause?
  • Welcher Pausentyp bist du: Brauchst du viele kurze oder wenige längere Pausen? Brauchst du in deiner Pause Ruhe oder Bewegung?
  • Kannst du so viele Störungen wie möglich vermeiden? Handy und/oder Telefon ausschalten, Internetbrowser geschlossen lassen?
  • Wie kannst du deinen inneren Kritiker ausschalten oder zumindest leiser werden lassen? Wie kannst du dir positive Affirmationen geben, die dich stärken und motivieren?
  • Mit wem oder mit was feierst du deine Erfolge? Wie belohnst du dich für deine erfolgreich geleistete Arbeit?
  • Wer oder was unterstützt dich bei deinem Sachbuch-Schreiben?


5. Fazit

Du kennst die Meilensteine deines Buchprojekts: Damit hast du überschaubare Arbeitspakete und Ziele. Du kennst außerdem deine Zeitressourcen – trage diese auch in deinen Kalender ein und nehme sie ernst.

Das braucht vielleicht ein bisschen Ausprobieren und Beobachten am Anfang, aber mit der Zeit kannst du deinen Zeitplan immer präziser erstellen. Wichtig ist, dass du ihn flexibel verstehst und bei Bedarf anpasst.

Du hast außerdem eine dir förderliche Schreibroutine etabliert – das heißt, du bist mit Spaß dabei? Dann hast du die besten Voraussetzungen, um dein Buch auch bei gelegentlichem Alltagsstress und sonstigen Ablenkungen fertigzuschreiben. 🙂

Wie planst du dein Buchprojekt? Schreib mir gern im Kommentar.

Headerbild: Unsplash / Brook Lark


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