Als Britta in mein Buchcoaching kam, dachte sie: Zuerst muss man ein Inhaltsverzeichnis erstellen. Das wollte sie bei mir lernen, auch weil ihr Verlag kürzlich nach einem Inhaltsverzeichnis gefragt hatte. Genau damit hatte Britta jedoch große Probleme.
„Ich muss doch erst einmal anfangen, meine Kapitel zu schreiben! Wie soll ich denn vorher schon ein Inhaltsverzeichnis vorzeigen?“, fragte sie mich ratlos.
Im Coaching lernte Britta ihren Schreibtypen kennen und erfuhr: Es gibt Autor*innen, die erst einmal drauflosschreiben und vorher keine Gliederung erstellen (können). Erst beim Schreiben entwickeln sie die Struktur. Das war entlastend und befreiend für Britta. Denn endlich hatte sie das Gefühl: Ich kann in meiner Art das Buch schreiben – was ihr auch gelungen ist mit „Kein neues Ich“.
So hat Britta während unserer Zusammenarbeit auch gelernt: Es gibt nicht den einen richtigen Weg, ein Buch zu schreiben. Vielmehr ist der Prozess immer so individuell wie sein*e Autor*in.
In diesem Blogbeitrag zeige ich dir, welche Schreibtypen es gibt und wie du deinen Schreibtyp herausfindest. Und noch wichtiger: Wie du mit diesem Wissen das Schreiben so gestaltest, dass es dir leichter fällt. Du erfährst außerdem, warum es vor allem fürs Expertenbuch hilfreich ist, deinen Schreibtyp zu kennen.
Schreibtypen kurz erklärt
- Dein Schreibtyp beschreibt, wie du beim Schreiben meist vorgehst.
- Es lassen sich grundsätzlich zwei Tendenzen unterscheiden: Menschen, die beim Schreiben die Textstruktur erschaffen, und Menschen, die einer vorher geplanten Struktur folgen.
- Kein Schreibtyp ist besser als der andere. Entscheidend beim Schreiben deines Expertenbuchs ist es, dass deine Schreibstrategien zu dir, deinem Text und deiner Situation passen.
Was ist ein Schreibtyp und welche Schreibtypen gibt es?
Schreibtyp heißt: unterschiedliche Strategien fürs Schreiben zu nutzen. Also intuitiv oder auch angelernt auf unterschiedliche Vorgehensweisen und Schreibtechniken zurückzugreifen.
Wie die einzelnen Schreibtypen konkret aussehen, dazu gibt es verschiedene Modelle. Weil unterschiedliche Wissenschaftler*innen dazu geforscht und jeweils eigene Modelle erstellt haben (die übrigens in der Schreibdidaktik-Community auch kritisch hinterfragt werden).
Was die Sache noch komplizierter macht: Praktiker*innen haben denselben Modell-Schreibtypen unterschiedliche Bezeichnungen gegeben. Oder auch Modelle miteinander kombiniert und daraus neue Schreibtypen abgeleitet.
So stolpert man bei einer Google-Suche mittlerweile über die Schreibtypen Eichhörnchen, Goldgräber*in, Zehnkämpfer*in, Ölmaler*in, Architekt*in, Puzzler*in oder Patchworkschreiber*in … In Hamburg auch über Fischer*in und Skipper*in.
In meinem Buchcoaching hat sich das Schreibtypen-Modell von Schreibdidaktiker Dr. Gerd Bräuer bewährt. Es ist eine Art Basis-Modell, dem sich fast alle oben genannten Schreibtypen zuordnen lassen.
Zwei entscheidende Schreibtypen: Strukturschaffer*innen & Strukturfolger*innen
Dieses Basis-Modell nennt zwei Grundtypen: Strukturschaffer*innen und Strukturfolger*innen.
- Strukturschaffer*innen schreiben erst einmal drauflos. Erst durch das Schreiben ergibt sich die Struktur des Texts. Sie erschaffen also beim Schreiben die Struktur, so wie Britta.
- Strukturfolger*innen planen und gliedern zuerst ihren Text. Beim Schreiben folgen sie dann dieser Gliederung.
Das Modell ist hilfreich, weil es einerseits zwei Grundtendenzen beim Schreiben darstellt. Andererseits lässt es genug Raum, um persönliche, individuelle Nuancen zu entdecken, die wir alle beim Schreiben haben.
Wichtig: Kein Schreibtyp ist besser als der andere. Vielmehr hat jeder seine Stärken und Herausforderungen. So ist übrigens ist auch kein Schreibtyp schneller oder schreibt bessere Texte. Es ist nur das Vorgehen, das sich unterscheidet.

Die zwei Schreibtypen auf einen Blick
Strukturschaffer*innen: Schreiben erst einmal drauflos
Strukturschaffer*innen denken gerne mithilfe des Schreibens nach und kommen so auf neue Ideen. Daher wirken sie im Schreibprozess oft kreativ, inspiriert und motiviert.
Zu ihren Stärken gehört, dass sie meist keine Angst vor dem leeren Blatt haben und schnell in den Schreibflow kommen. So finden sie auch schnell zu ihrer Schreibstimme.
Zu ihren Herausforderungen gehört häufig die Gefahr, durch die vielen Ideen und die schnell geschriebenen Texte den Überblick zu verlieren. Außerdem müssen sie meist viel Zeit für die Überarbeitung einplanen, um roten Faden und Leserperspektive glattzuziehen.
Manche Strukturschaffer*innen haben in der Schule oder Uni gelernt, dass sie zuerst eine Gliederung erstellen müssen – dadurch kennen sie auch Schreibblockaden. Denn diese entstehen, wenn wir Strategien nutzen, die eigentlich nicht zu uns passen.
Typisch für den Schreiballtag von Strukturschaffer*innen: Sie erhalten gerne Feedback. Außerdem kenne ich viele Strukturschaffer*innen, die keine Lust auf die Überarbeitung haben. Sie schreiben gerne im Flow den Text und wollen dann am liebsten fertig damit sein. 🙂
Strukturfolger*innen: Planen vor dem Schreiben
Durch das Entlangschreiben an der Gliederung erscheinen Strukturfolger*innen im Schreibprozess häufig sehr fokussiert und strukturiert.
Zu ihren Stärken gehört, dass sie durch dieses planvolle Vorgehen oft ein sehr gutes Zeitmanagement haben. Sie können außerdem an verschiedenen Textstellen gleichzeitig arbeiten.
Zu ihren Herausforderungen gehört, dass es lange dauern kann, bis überhaupt Text entsteht. Denn manchmal finden sie kein Ende beim Recherchieren und Planen. Oder sie wollen den Text direkt perfekt formulieren und kommen durch das lange Rumdoktern an den Sätzen nicht in den Flow. Dadurch kann sich auch eine Angst vor dem Losschreiben oder sogar eine Schreibblockade entwickeln.
Typisch für den Schreiballtag von Strukturfolger*innen ist, dass sie zuallererst über die Struktur nachdenken. Einmal erstellt, ist diese Struktur der „Masterplan“ fürs Schreiben, der Orientierung gibt.

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Welcher Schreibtyp bin ich?
Um deinen Schreibtyp herauszufinden, überlege: Wie gehst du in der Regel beim Schreiben vor?
Typisch Strukturschaffer*in:
- Du schreibst üblicherweise direkt drauflos und willst deine Ideen erst einmal zu Papier bringen – die Struktur ergibt sich dann beim Schreiben.
- Du nutzt das Schreiben, um auf neue Ideen zu kommen, und holst dir gerne Feedback auf deine Texte.
- Du brauchst am Ende oft viel Zeit für die Überarbeitung und stellst noch mal viel um.
Typisch Strukturfolger*in:
- Du legst vor dem Schreiben eine Gliederung an – und schreibst deinen Rohtext dann anhand dieser Struktur.
- Du sammelst deine Ideen vor dem Schreiben und schreibst dann entlang deines roten Fadens – neue Ideen durch Feedback stören dich eher.
- Du korrigierst am Schluss oft nur sprachliche Aspekte und deine ursprüngliche Struktur ist deiner finalen Gliederung sehr ähnlich.
Wichtig: Die Schreibtypen sind zwei Pole auf einer Skala. Die meisten Menschen befinden sich irgendwo dazwischen. Wenn du dich nicht 100 % einem Typ zuordnen kannst, ist das also völlig okay. Vielleicht nutzt du Strategien von beiden.
Tipps für Strukturschaffer*innen:
- Nimm dir in jeder Schreib-Session nur einen inhaltlichen Schwerpunkt vor, um dich nicht zu verzetteln.
- Wenn du den Überblick verlierst, nutze Strukturierungs-Techniken wie die Mindmap.
- Plane ausreichend Zeit für die Überarbeitung ein.
Tipps für Strukturfolger*innen:
- Hole dir schon vor dem Losschreiben auf deine Gliederung Feedback.
- Bei Angst vor dem Losschreiben nutze assoziative Schreibtechniken wie das Freewriting.
- Wenn dich der Perfektionismus beim Schreiben lähmt: Stelle die Rechtschreib-Korrektur aus und/oder schreibe in weißer Schriftfarbe auf weißem Hintergrund.

Herausforderungen und Tipps für deinen Schreibtyp
Schreibtypen und dein Expertenbuch: Warum du genau hier oft ins Stocken gerätst
Beim Buchschreiben wird es komplex: Man muss den Überblick behalten, welches Thema in welchem Kapitel in welcher Tiefe behandelt wird. Dabei folgt jedes Kapitel einer eigenen Dramaturgie. Außerdem gilt es, über den gesamten Text den roten Faden zu behalten. Hier haben beide Schreibtypen ihre individuellen Herausforderungen:
Herausforderungen für Strukturschaffer*innen:
- Das Drauflosschreiben kann zu Umwegen führen, die später viel Zeit und Energie kosten – etwa beim Abschweifen vom Thema.
- In der schieren Fülle an Material verliert man leicht den Überblick.
- Verlage wollen mit dem Exposé meist ein vorläufiges Inhaltsverzeichnis sehen.
Herausforderungen für Strukturfolger*innen:
- Durch die Fülle der Themen kann man endlos recherchieren und planen – und so die Rohfassung sehr lange aufschieben.
- Durch die Komplexität muss man später evtl. die Gliederung anpassen, das erfordert Flexibilität.
- Erst im Drauflosschreiben findet sich die eigene Schreibstimme – was für Strukturfolger*innen oft schwierig ist.
Wichtig ist hier, kontinuierlich zu reflektieren: Nützt dir dein jetziges Vorgehen – oder kannst du etwas optimieren? Dies kann ausschlaggebend sein, um dein Buchprojekt erfolgreich zu meistern.
Schreibtypentest: Warum er nur der Anfang ist
Wenn du leichter und entspannter schreiben möchtest, ist ein Schreibtypentest eine gute erste Orientierung. Allerdings ist der Schreibtyp immer nur ein Teil im großen Ganzen. Die Früchte erntest du erst, wenn du tiefer einsteigst und auch weitere Faktoren in den Blick nimmst.
Dazu gehören beispielsweise:
- Deine individuelle Ausgestaltung des Schreibtyps: Wie genau gehst du beim Schreiben vor? Planst du deine Texte nur im Kopf – oder erstellst du eine Mindmap? Schreibst du mal hier, mal dort – oder in einem Zug runter?
- Welche Art von Text du schreibst: Vielleicht schreibst du beim Newsletter gern drauflos. Bei Blogbeiträgen oder Buchkapiteln hingegen planst und strukturierst du vorab deinen Text.
- Deine Situation: Für eine Verlagsbewerbung, ein sog. Exposé, brauchst du in der Regel ein Inhaltsverzeichnis. Auch wenn es dir noch so schwerfällt und du wie Britta erst einmal schreiben musst: Bei der Verlagsbewerbung kommst du nicht drumherum.
All diese Faktoren beeinflussen zusätzlich zu deinem Schreibtypen, welche Strategien und Schreibtechniken du anwendest – und ob diese zielführend sind.
Den Unterschied zwischen Schreibstrategien und Schreibtechniken erkläre ich übrigens in meinem Beitrag „Schreibtechniken – was das ist und warum du sie kennen solltest“.
Am erkenntnisreichsten ist es, den Schreibtypentest im Rahmen eines Coachings zu machen. Denn mit einem Schreibcoach kannst du auch all die kontextuellen Faktoren erkunden, die bei deinem Schreiben eine Rolle spielen, und bei Bedarf deine Vorgehensweise optimieren.
So hat auch Britta durch unser Coaching die Situation gut gelöst: Sie entschied sich, ihrem Verlag kein Inhaltsverzeichnis, sondern lediglich die Themen und Fragen ihres Buches vorzustellen. Voraussetzung war hierfür aber, dass sie direkt vom Verlag angefragt wurde und kein Exposé einreichen musste. Mehr zu ihrem Buchprozess erfährst du im Interview mit Britta.

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Fazit: Der beste Schreibprozess ist der, der zu dir passt
Vor allem als Erstautor*in ist das Kennenlernen deines Schreibtyps ist ein hilfreicher Weg, um zu verstehen: Es gib nicht den Weg zum Buch, sondern nur deinen Weg. Das verhindert auch Schreibblockaden – denn diese entstehen, wenn du dich verbiegst und versuchst, irgendwelchen „So-macht-man-das“-Regeln zu folgen.
Nicht zuletzt geht es darum, deine Vorgehensweise immer wieder zu reflektieren und bei Bedarf zu erweitern und zu optimieren. Denn erst durch ein flexibles Strategie-Repertoire wirst du schneller, besser und entspannter beim Buchschreiben – und findest Lösungen bei Schwierigkeiten.
Ist dir nun klarer, welcher Schreibtyp du bist, und möchtest du dich tiefergehend mit Schreibstrategien und -techniken beschäftigen? Etwa weil du in einer Schreibblockade steckst oder aus anderen Gründen mit deinem Expertenbuch nicht vorankommst? Dann melde dich gerne bei mir. Im kostenlosen Vorgespräch finden wir gemeinsam heraus, ob und wie ich dich als Buchcoach unterstützen kann.
FAQ: Häufige Fragen zu Schreibtypen
Ein Schreibtypentest gibt dir eine erste Orientierung, welche Schreibstrategien du bisher nutzt. Er ist aber nur ein Ausgangspunkt: Auch die Textart, deine konkrete Situation und deine individuelle Vorgehensweise spielen eine Rolle. Mit diesem Wissen kannst du dein Schreiben reflektieren und optimieren, um leichter und entspannter zu schreiben.
Nein. Die Schreibtypen Strukturschaffer*innen und Strukturfolger*innen bilden zwei Pole auf einer Skala. Die meisten Menschen liegen irgendwo dazwischen. Viele nutzen sogar je nach Textsorte und Arbeitsschritt Strategien aus beiden Schreibtypen.
Beobachte zuerst, wo du beim Schreiben ins Stocken gerätst. Wähle dann Schreibtechniken, die dich genau an dieser Stelle unterstützen: Für Strukturschaffer*innen sind beispielsweise oft Gliederungs-Techniken hilfreich. Strukturfolger*innen profitieren häufig von Techniken, die ins Schreiben bringen.
Meine Mission
Als Buchcoach ist meine Mission: Coaches, Berater*innen und andere Expert*innen dabei zu begleiten, mit Flow und Fahrplan ein hochwertiges Expertenbuch zu veröffentlichen – für mehr Expertenstatus, Impact, Wunschkundschaft. Und für das erfüllende Gefühl, mit dem eigenen Buch dauerhaft Wissen und Erfahrungen weiterzugeben.
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Verwendete Literatur:
Ella Grieshammer, Franziska Liebetanz, Nora Peters und Jana Zegenhagen: Zukunftsmodell Schreibberatung. Eine Anleitung zur Begleitung von Schreibenden im Studium, Schneider Hohengehren 2012
Katrin Girgensohn und Nadja Sennewald: Schreiben lehren, Schreiben lernen: Eine Einführung, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2012
Maike Wiethoff: „Schreib(er)typen. Eine analytisch-kritische Perspektive“. In: 40 Begriffe für eine Schreibwissenschaft. Konzeptuelle Perspektiven auf Praxis und Praktiken des Schreibens, Andrea Karsten, Stefanie Haacke-Werron (Hg.), wbv Media 2024
Nadja Sennewald: „Schreibstrategien. Ein Überblick“. In: Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung, Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald (Hg.), Verlag Barbara Budrich 2014
Scheuermann, Ulrike: Wer reden kann, macht Eindruck. Wer schreiben kann, macht Karriere, Linde Verlag 2009
KI-Transparenzhinweis:
Für den SEO-Aufbau und die daraus folgende Themenrecherche und Textstrukturierung wurde unterstützend KI verwendet. Bei der fachlichen Recherche und Textüberarbeitung habe ich gänzlich auf KI verzichtet. Auch bei der Texterstellung habe ich so gut wie keine KI genutzt – mit zwei Ausnahmen: Bei den zwei zusammenfassenden Textabschnitten „Schreibtypen kurz erklärt“ und „FAQ: Häufige Fragen zu Schreibtypen“ wurde KI unterstützend genutzt. Auch bei der Erstellung der Grafiken wurde unterstützend genutzt.
Welcher Schreibtyp bist du – und was sind deine Herausforderungen? Schreib mir im Kommentar.
Headerbild: Unsplash / Yen Vu
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